Mondblume

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Wenn’s alle dürstet

Es ist die Zeit der langen Dürre
des Regens Rauschen scheint ein Hirngespinst
wo das Gesicht der Mutter Erde
zerfurcht von tiefen Rissen liegt
und hungrig noch ein Schädel blinzt
vom Durst vorhin besiegt

dort träumt man nicht von Stolz und Würde
von Liebe und Begeisterung
man lechzt mit trock’nen Mündern bloß
nach jedem Tropfen Blut

denn fremdes Sterben bringt Erleichterung
und Mord heißt Gnadenstoß
wenn’s alle dürstet wird das eig’ne Leid
zum einzig absoluten.

Vergiftet

Vom Sonnenuntergang vergiftet
Du
mit glüh’nden Lichtpigmenten
in deinen Adern wie Rubine
ich seh’s auf deiner Hautlandschaft
dort glüht ein ganzes Firmament
mit großen und mit kleinen Sternen
du wirst ein Himmelszelt
mit jedem Atemzug ein weit’res Licht
ein weit’rer glüh’nder Punkt
blickst du verbrennend zu mir auf
und explodierst
durch mich hindurch
in eine and’re Welt.

Fallen

Die Welt verdreht, du fällst kopfüber
ein Sternenschweif dein Elfenleib
brennt Angst in dir wie Tollkirschfieber
und macht dich schwach mit Übelkeit

versuchst zu greifen, ja zu halten dich
doch musst schließlich aufgeben
den freien Fall besiegst man nicht
mit panikvollem Streben.

Ich wache auf
wieder ein Jahr vergangen
dreh mich um - ihr winkt
der zug von gestern bringt euch überschnell
ins Vorgestern

ich renne - ihr winkt - strecke die hand aus - ihr winkt
ich brenne innerlich, erreich euch nicht
ihr fahrt ins Dunkel, wartet nicht
und winkt und winkt
ihr hört mich nicht

ich dreh mich um
und sehe nichts
und höre nichts

ich drehe mich
                                    ihr seid
verschwunden
werdet
                                    verschwinden
verschwunden sein

ihr
                         wer…
…wunden…
                                       sein

stehe
hier
steh immer
noch


allein


und d…
                           …rehe mich
und s…   …ehe nich…
…ts                             höre
nichts

wer
           binich

wo…



…hin?

Zu kraftlos zum Schreiben
drehe ich mich um die eigene Achse
die Augen geschlossen
Musik wird laut
leise

für einen Moment
ist das Herz schwerelos
Gedanken und Gefühle
verwirbelt
zeitlos

atemlos
zu Boden
und alles
im Rückwärtsgang
an einem Stück
zurück.


Wünschen

Ich wünschte
das Glitzern von Mädchenaugen
glimmerte zurück in meine Welt

wo Sinnlichkeit dem Leben seinen Sinn gab
und im Morgen nicht die Angst lag
die das Gestern im Verborgenen gebar

wo im Verborgenen noch Träume schlummerten
verheißungsvoll und aufbegehrend
nicht Sorge und Gefahr wie nun

und wo Gefühl und Emotion in Chaos stürzten
das Sein im Ausbrechen zerbrach
und nicht am Monotonen

wo Gedanken an ein Ende
doch immer nur den kleinen Tag betrübten
und immer nur den eigenen

und wo Bestreben alles zu Erleben
noch nicht das wahre Leben hemmte

wo ruhelos und rastlos noch Erblühen hieß
und Wünsche noch erfüllbar schienen

wünsch ich, hätt ich mehr gewünscht.

Ich kann dich nicht mehr hören

Ich kann dich nicht mehr hören
nicht mehr sehen
und das Vibrieren deines Herzens
nicht mehr spüren
kann deine Worte nur noch stumm verstehen
und ahnungslos erahnend
versuchen dich zu suchen, zu berühren
aufzuspüren was dich noch bewegt
und dich erstarren lässt

wo einsam deine Augen
Bekanntes neu erkennen
oder Unbekanntes unerkannt
nach deiner Seele fässt

dort kann ich nicht mehr atmen
nicht mehr leben
weil meine Lungen keine Verse mehr erheben
die meine Seele beben lässt
dass du sie hörst.

Schon wieder Herbst

Schon wieder Herbst
und alles wie zum Schein
hellblau und kunterbunt
wer bist du
der du Welten färbst
wie soll ich dir verzeihn
dass du mit deinem Lächelmund
des Lebens Wärme trinkst
und dabei ohne Gnaden
was hinterbleibt mit Farben zwingst
dein Spielen zu ertragen.

Uns trennt nur die Erde und das Nichts

Uns trennt nur die Erde und das Nichts
doch bevor ich werde wie Ihr
roter Kerzen Flammenlicht
trauriges Souvenir der Herzen
bitte ich die Welt um Amnesie
um dass die Sehnsucht in mir vergellt
und Poesie
die leeren Seiten meines Lebens füllt.

Erst wenn die kalte Erde und das Nichts
auch endlich mich umhülln
ich Flammenlicht und Souvenir der Herzen werde
erst dann will ich Euch wiederfinden
mit lächelndem und friedlichem Gesicht
wie Ihr
verschwinden.

Nirgends bist du mehr

Nicht mehr bist du, wer du warst
als ich dich fand in Urgebirgen
wo du in unbezwungnen Höhen
noch lustig Leben aßest;
wo du mich wärmtest als ich irrte
und meine Hände hieltest wenn ich bebte
dort bist du nicht mehr
und auch nirgends sonst;
dein Nichtmehrsein brennt in mir noch so schwer
dass ich zuweilen panisch nach dir suche
von allen Gipfeln Echos nach dir rufe -
doch du bist nicht mehr
nirgends
bist du mehr.

Ein letztes Mal zum Schein

Wenn in deinem Mund mein Name stirbt
dann halt mich einen Augenblick
in deinen Armen wie zum ersten Mal
und atme nicht mehr ein

Denn wenn in dir mein Name irrt
dann glüht noch kurz das Lebensglück
in meiner Mitte wie ein Sonnenstrahl

Und wenn dich Atemlosigkeit betört
dann küsse mich bis ich erstick
ein letztes Mal zum Schein