Mondblume

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Wenn ich trotzdem
so weiterlebe wie bisher
obwohl Du
nicht mehr weiterlebst,
bedeutet das
dass meine Liebe
nicht wirklich war?

Wenn’s dämmert

Wenn’s dämmert
und dein Mondscheinkörper
still und bar im Seidenlaken ruht
mal’n Schatten sich durchs Fensterkreuz
auf deine Glieder, narbengleich.

Momente nur
färbt Sonnenmut den Raum
und deine Haut erglüht warmherbstlich;
in deinen Blicken brennen Flammentropfen
schwer und einsam, immer wieder.

Wenn’s dämmert
und dein Mondscheinkörper
still und bar im Schattenkerker ruht
mal’n Bilder aus verdrängten Zeiten
sich in dein Sehnen, narbengleich.

Ich warte auf den Moment
in dem am Himmelszelt
alles Reuen, Sehnen, Fürchten
als Feuerwerk verbrennt.

In Erinnerung

Die Erinnerung ist wie ein Traum
ein Film in Sepiatönung
mit grobkörnigem Rauschen
in ungetrübter Idylle
denn in Erinnerung ist alles schön
und undeutlich

verschleierte Gesichter lächeln
verschwommene Hände winken
und winken und lächeln doch nicht mehr
in der Realität

am Ende der Erinnerung stirbst du
noch einmal
und immer wieder
stirbst du
und stirbst doch nie…

habe angst
vor dem weißen papier
vor dem leeren papier
es schreit nach mir.

Ein Name im Sand


Mit geheimnisvollen Verheißungen auf fremde Abendröte
und Augen so schwarz und glitzernd wie klare Nächte
zogst du mich in den Bann deiner Wüste
trugst mich unter sengender Hitze über zahlreiche Dünen
stets von fruchtbaren Wasserstellen säuselnd.

Und als du mich fallenließest in leichte Gewänder
rieselten aus deinen Handflächen Sandkörner in meinen Nabel
sie kitzelten wie Flammenstaub auf meiner Haut.
Ein Hauch von Paradiesesluft wenn du mich küsstest
Ambrosia von deinem Mund in meinen…

Ich schloss die Lider da ich sicher mich in deinen Armen wähnte
doch als ich zu mir kam warst du entschwunden.

Und unter mir der blanke kalte Wüstenboden
und über mir nichts als der kahle wunde Wüstenmond
lag ich mit starren Gliedern da und um Jahrzehnte älter.

Ich blieb im schwerelosen Sand deiner Erinnerungen
ein Name nur, das Wort verfliegt.

Nun, da ich auf Asphalt laufe

Als ich nur den Rosengarten kannte,
warst du eine Blume unter vielen.
Nun, da ich auf Asphalt laufe und schlafe,
bist du eine Rose in meinen Erinnerungen
mit Dornen und einzigartigen Blättern,
eine der wenigen Blumen, die l(i)eben.

Schiff aus Stein

In diesem Hafen liegen tausend Schiffe
doch keines wartet auf mich
woher sie kamen wohin sie fahren
mich kümmert es nicht.
Denn dort am salzigen Horizont
so weit und winzig klein
dort seh ich mit Tränen im Blick
mein Schiff aus Stein.

Glasgeborene

Deine Melancholie
sie hält die leichten Vögel nicht
bevor die Schwere deiner Blicke ihre Federn teert
fliegen sie
fliegen sie fort
in den Süden
wo Zwielicht sie ernährt.

Sieh ihnen nicht nach
mit sehnsuchtsvollen heißen Blicken
die bunten Unbeschwerten kehren nicht zurück
warte nicht
warte nicht mehr
die Zeit
wird dein Gefühl ersticken.

Weine nicht, Glasgeborene.

Dezemberverse

zartkalte abschiedsküsse
dann einsamkeit
blutende rückblicke
vernarbte wegweiser
und immer wieder
abschiedsseufzer
bei trugwarmem licht
bitte
halt mich -
halt mich nicht.

Fata Morgana II

Dunkle Blätter von Olivenbäumen
deine Wimpern
und in der Mitte Augenseen
Schwarze Meere
Sonnenfälle ferner Horizonte
Flimmern unbekannter Hitze
wie das Glitzern fremdsprachiger Geheimnisse
aus exotischer Kehle.

Beugst dich über mich mit glänzenden Locken
ein Geschmack von Majestät und Dürre
unzähmbare Freiheit
endlose Karawanenzüge
Oasenküsse
paradiesische Hölle in deiner Umarmung
doch beim Versuch dich zu berühren
verschwimmt dein Antlitz.

Fata Morgana

Von deinen bronzefarbenen Fingern tropfte Honig
zielstrebig auf meine Lippen
ich hielt sie eifrig geschlossen
doch unter deinem Wüstenblick
wurde ich durstig
und die unbekannte Süße
entlockte meine Zunge suchend nach mehr.
Was sie fand war weiter nichts als Wütstensand
so trocken so trocken.

Abschied

Hinter dem rotgoldenen Schleier der Sonne
ein weißer Schwan - geduldig.
Der Abschied liegt am Horizont und auf den Bäumen
schwer
fließt Atem durch die Brust
ohne Melodie und Stimme
das Herz ins kühle Nass und

Stille.

Künstler

Er bedeckte ihre blinden Augen
mit Tuschezeichnungen auf den Handflächen
und sprach mit stummen Lippen
Geschichten auf ihre müde Stirn.

Da sprangen schwarze Rehe aus seinen Fingerfalten
und Schattenvögel flogen von den Daumen
durch ihre Wimpern, in ihr Herz.

So malte er Scherenschnittwelten
auf die unbeschrieb’ne Netzhaut
und ihre Stimme gehörte ihm,
bis sie weinte.

Im Herzen fremder Frühling

Ineinander gekränzte Dornenbüsche
umzäunen die weiße Wiese
sanft säuseln Winde von unbekannten Welten
durch den Herbst in deinem Haar
beküssen dein Ohrläppchen
mit winzigen Frostnetzen -
es kribbelt
und wird warm in deinen Augen.
Du rührst dich nicht,
du lauschst.
Im Herzen fremder Frühling
weiter nichts.