mondblume

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Zuinnerst stolz

Zuinnerst stolz ist der Löwe
obgleich ins menschliche Gehege
von Schicksals Fäden gespannt
von Gottes Hand verbannt
verkannt
von der Gesellschaft
die den Sinn für Tiefes längst verlor

Verachtet, vertrieben
ausgeschlachtet

sie haben sich an den Schätzen bereichert
eigenen Wohlstand vermehrt
und das siechende Tier
in einsame Wüsten entbehrt

doch

zuinnerst stolz ist der Löwe
solang des Lebens Lidschlag währt

bleibt der wahre Schatz verborgen
den seelenleeren Wilderern

bewahrt für den einen Morgen
da im goldenen Glanz einer Sonne
Mühsal größter Wonne weicht

und im Donnern deines erfüllten Brüllens
jeder Ignorant erbleicht.

(29.07.14)

Flüsschen

Selbst durch himmelhohe Berge
mit eisgekrönten Spitzen
schlängeln sich schmirgelnde Flüsschen

so rein
oder waschen sich rein
im Akt des Durchfließens
sprudeln zu steinernen Füßen
als lebendiges Wasser ins Licht

doch
wo die Luft zum Entschwinden dünn ist
hört der Dürstende nichts

(05.07.14)

Heimlich

Eine Mademoiselle der Nacht
blickt sehnsuchtsvoll gen Himmel
und sucht mit heimlichen Pupillen
das dunkle Zelt nicht nach den Sternen ab.

Sie würd sich’s niemals eingesteh’n
doch lugt sie hoffnungsvoll empor,
des Mondes Licht hinter den Wolken
am Ende freuend zu erahnen,

obwohl der Silberne doch längst zum Abschied winkte!

(26.03.2009)

17. März 2009 (Melancholie)

Wie ein fliegender Teppich
aus jäh verdorrenden
Sonnenblumenblüten
fliegt Melancholie mich
durch ein bittersüßes Abendland.
Ich spür’, wie sie mein Innerstes erschließt,
wie sie verzückte Tränen mir
in meine lächelnden Lider gießt.

Und zarte Sehnsucht lallt ein Schlaflied
in die weißbestickten Ohren
und bettet liebesschwere Küsse
in mein umhülltes Dornenherz.
Ein sanfter Nachtwind haucht
"Adieu…" auf meine Wangen
und streichelt mir die leeren Augen,
die glitzernden, vom Traum verhangen.

Worte dieser Träumerseele

Leise Worte dieser Träumerseele
streuen Sonnenschuppen nur in Träume
leuchten dort für eine Nacht
schnellsterblich wie Sternschnuppen

kleine Worte kleiner Seelen
Herbstlaub junger Birkenbäume

wo am Morgen traute Raupen
ihre Leben still verwirken
flink verpuppt zu Monolithen

doch der harte Schlag des Lides
weht sie fort als Rieselei

Singsangworte Loreleiens
schmecken als Schneeflockenwasser
bitter auf verlass’nen Zungen

und im Angesicht der Wirklichkeit
verstummen diese Worte
taugen nicht als Wegbegleiter
lebensharter Seelenhorte.

Das Blatt vor deinem Munde

Das Blatt vor deinem Munde
es hält die Seel’ zurück
es deckt die ewige Wunde
die Diebe verzückt

dich macht es verrückt
gar Stund’ um Stunde
denn von den Wurzeln her drückt
das Wasser im Grunde.

Im Traume die feuchtwarmen Wolken

Rhythmisch reiten im Traume
die feuchtwarmen Wolken zurück
benetzen die samtenen Früchte
mit dunstigen Tropfen verwegenen Glücks

sie dribbeln die durstigen Münder rot
und laden mit Lust auf die Luft
und unter ihr schwellen die Beeren an
sie stauen den süßsauren Saft

doch stichelnd beginnen die Reiter
mit kitzelnden Blitzen zu küssen
bis endlich die wundreifen Früchte
aufjauchzend zerspringen müssen.

So trostlos

So trostlos sind die Schatten
wenn sich die Sonn’ versteckt
man sucht sie nicht sich zu erfrischen
zu grausig dunkeln sie dahin
als dräng’ die kälte kriechend in uns ein
blieb man zu lang dort sitzen
wie Tinte in Papier sich frisst
so fressen sonnenlose Schatten
sich in versonn’ne Seelen

Verzweiflung und Erleichterung

Schicksal, du bist grausam
du nimmst dir stets die Sicherheiten
reißt immer wieder Grundpfeiler zu Boden
und brennst die letzten Lager nieder
die den Hunger stillen!

Du bist so grausam
dass du immer dir das Liebste nimmst
wenn man den Rücken blindlinks dir zudreht
um dann mit Ungewissheit schweigend
zu lachen über jedes flehende Gebet.

***

Schicksal, du bist gütig
du nimmst dir niemals alle Sicherheiten
und reißt das Haus nie gänzlich ein
und wenn du Lager niederbrennst
so lässt du aus der Asche frische Keime sprießen!

Du bist so gütig
dass du manches Mal das Liebste aufbewahrst
wenn man zu hoffen längst vergessen hat
um dann barmherzig schmunzelnd
zurückzugeben, worum man dich bat.

Müdigkeit

Wie Schneelast winterschwache Äste
erbarmumgslos gen Erde drückt
und Regentropfen dünne Halme behände niederbiegen
so fühlst die Müdigkeit du felsig liegen
auf deiner Stirn, auf deinem Lid
sie trübt sogar dein Augenlicht
und mischt die Farben fad und grau
doch Schlaf errettet nicht
dich aus des Lebens Traum.

Vergnügen

Luftgehauchte Küsse
Umarmungen jedem zum Gruß
ihr schimpft dies Liebe
und merkt an im selben Zuge
dass ich euch trauen müsse?

Ihr lacht des Lebens Schwere fort
und tanzt auf jedem Feste
und wundert euch der blauen Flecke
die berauscht aus Adern triefen
wie Pokale, nur nicht gold.

Doch wenn der Spaß erstmal erbrochen
warmwabernd vor euch liegt
komm’n Tränennarben schwarz entschlossen
aus eurem müden Augenlid
wie Nacktschnecken gekrochen.

So nüchtern scheint das Leben dann
ein ungerechtes Spiel
wo jeder jeden küsst bis man
auf Straßenbahnschienen
zerzaust und endlich doch allein
versucht sich selbst zu dienen.

Juliregen bei Nacht

Aufgewacht

vom leisen Rauschen
ein Flüstern fast
Vorhänge bauschen
sich spuksanft
in den Raum

feucht
duftet draußen Erde
als Sommertraum dahin
die Zweige vom Apfelbaum wogen
wie wilde Pferde im Wind

und fiebrig
dem Schlafland entflogen
schweigt müde das Mondkind
und lauschet

dem Juliregen bei Nacht.

04.07.14

Antrieb

In meinen Lidern brennt die Lust nach Leben
obgleich kein Blut mehr Lebenswärme transportiert
wenn selbst das schönste Farbenspiel
mein Herz zu kitzeln nicht vermag
obschon es kichern möchte;
was soll mir Antrieb geben?

Toter

Der, der du zu erden vermagst,
was zwischen grellen Lampions
in fremde Firmamente steigt,
mit Fingern die trotz Lebensgift
noch zärtlich nach Verlor’nem tasten,
du brandmarkst dich längst tot zu sein?
Wenn quälend zwar dein Herz vibriert
und wachen Geistes Rätsel spricht,
so kannst du tot nicht sein.

03.05.14

Im Taumelschritt

Den Mund weit offen
für die Lohe
die das Leben in mich haucht
doch was
wenn meine Lungen
nicht atmen was nur hingeraucht?

Im Taumelschritt
nicht mehr in Gang
stürzt hilflos so mein Geist dahin
das Suchen scheint ein Urverlangen
zu finden
was unfindbar ist.

Und wann erstickt die Phantasie
den letzten Rest Realitätsempfinden
wo Herzen brennen
ohne Sauerstoff
dort wartet Wohlbefinden?