Habe immer noch nicht
gelernt zu lieben
weil ich immer noch nicht weiß
welche Stimme mir gehört
und welches der Gesichter
in meinem Spiegel wohnt.
Wenn die Liebe, die dich nährte,
nicht aufrichtig und rein war,
kann dann das Lieben, das du lerntest,
aufrichtig und rein sein?
Und ist denn Liebe wirklich unrein,
wenn Egoismus in ihr liegt,
wenn sie statt Freiheit zu verschaffen,
Freiheit besiegt?
Schnitte ins eigene Fleisch
Was ihr euren Kindern vorwerft,
ist weiter nichts als Selbstanklage;
die Wunden, die ihr ihnen zufügt,
sind Schnitte ins eigene Fleisch,
doch ebenso in die Seelen eurer Kinder,
ihre Verstümmelungen letztlich: Erban(k)lage.
Liebe erstickt an Selbstmitleid und Verbitterung,
wird zum Gefängnis eurer Kinder,
die ihr mästet mit erdrückender Fürsorge
und vergiftenden Worten,
an euch bindet, indem ihr fortstoßt,
fortstoßt, indem ihr behindert.
Die Makel, die ihr an euren Kindern seht,
sind Makel eures jugendlichen Spiegelbildes;
nicht wie sie wirklich sind, wollt ihr sie sehen,
wie ihr sie sehen wollt, seht ihr
und straft sie für Versäumnisse, die sie noch nicht erlebten,
und lobt mit unbarmherziger Milde
was sie - von euch vorangetrieben - letztlich akzeptieren,
obgleich’s in ihre Herzen unheilbare Krankheit pflanzt.
Hinter der unüberwindbaren Maske von Liebe,
die alles begründet und alles entschuldigt,
versteckt ihr, was euch selbst zerstörte,
zerstört ihr, was ihr einstmals mutig schützen wolltet.
Als ihr verlerntet euch zu lieben,
verlor an Reinheit jene Liebe, die ihr nun vorwerft euren Kindern.
Deine Liebe
Deine Liebe schmeckt
schwer wie Blut
in meinem Mund.
Wenn du mich hältst,
mit uferlosen Armen,
glaube ich in dir zu ertrinken,
bis du mich verschlingst
wie ein Flammenturm
und hungrig nach meinem Atem
tief in mir versinkst.
Verliebte
Unbeholfen
tasten raue Fingerspitzen
über meine Wange,
auf der Suche nach meinen Lippen
bleiben sie neckend
unter meiner Nase sitzen;
stolpernd
bläst warmer Atem durch mein Haar
wenn du lachst,
holpert
auf deiner Brust mein Gesicht.
Weil du mich glücklich machst
küsse ich dankbar
deine suchende Hand.
Süße in Winters Schoß
Streichle mir
die Strähnen hinter das Ohr,
an denen wie Kokosraspeln
noch Schneeflocken glitzern;
habe ich süß geduftet?