Mondblume

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Alles vergessen

Augen schließen
um die Vorboten des Frühlings
zu inhalieren
ungefiltert rein und klar.
Breite die Arme aus
und falle ins Abendrot
alles vergessen
neu erwachen.

Seelentrinker II

Auf meiner Haut schmeckte seine Umarmung süßlichkalt,
roch nach verwelkten Dornen, in den Herbst gestreut;
violettschwarze Vögel flogen in seinem Auge -
ein See im dichten Wimpernwald,
mit schimmernden Motten - überall - ins Blau gescheucht.

Er vermochte mit einem einzigen Atemhauch,
Stürme übers Meer zu jagen, erbarmungslos;
und seine Wellenbrecherlippen träufelten zärtlich
Paradiesfische in meinen Bauch,
die sich tummelten - milliardenfach - in meinem Schoß.

Seelentrinker

Seine Hände - Korallenriffe
mit winzigen Glöckchen an den Nägeln
sie klingelten vollmundig in meinen Adern
wenn er spielte
wenn er spielte
hörte die Welt auf zu existieren.

Deine Liebe

Deine Liebe schmeckt
schwer wie Blut
in meinem Mund.
Wenn du mich hältst,
mit uferlosen Armen,
glaube ich in dir zu ertrinken,
bis du mich verschlingst
wie ein Flammenturm
und hungrig nach meinem Atem
tief in mir versinkst.

Verliebte

Unbeholfen
tasten raue Fingerspitzen
über meine Wange,
auf der Suche nach meinen Lippen
bleiben sie neckend
unter meiner Nase sitzen;
stolpernd
bläst warmer Atem durch mein Haar
wenn du lachst,
holpert
auf deiner Brust mein Gesicht.

Weil du mich glücklich machst
küsse ich dankbar
deine suchende Hand.

Ernähre mich

Pflücke deine Worte
wie für die Ewigkeit getrocknete Blüten
durch die unendlich Nektar fließt
süß und heiß, lebendig.

Und drück’ sie an mein Herz
heimlich
dein Blut zu kosten
zu schmecken was du fühltest
was du sahst und niemand sonst.

Bestäube meine Seele
mit unsichtbaren Küssen
bis sie erzitternd
Blütenstaub gebiert.

Entwurzelt

Vom Meerhauch ummantelte
Sandkörner an den Knöcheln
schmirgeln sich
wie Silben wahrheitsloser Worte
in die Wunden
wundgeschwieg’ner Mauern.

Sinnenthobene Schritte
sinnsuchender Meerfrauenbeine
zeichnen auf
taube Zungen kontaminierter Ozeane
keine Spuren.

Nur zarte Male von Entwurzelung.

(22.04.2011)

Flügelstaub

Bin kein Insekt,
recht- und willenlos für eine Sammlung,
magst braune Augen, roten Mund
und wenn ich tanze
meine Taille,
siehst du mir zu und willst besitzen.
Ich möchte frei sein,
unberührt,
fass’ mich nicht an!,
halt’ mich nicht fest! -
du tust es doch, weil du es willst,
spür’ Flügel brechen
und von deinen feuchten Händen
hauchst mit einem Grinsen
Flügelstaub.

Süße in Winters Schoß

Streichle mir
die Strähnen hinter das Ohr,
an denen wie Kokosraspeln
noch Schneeflocken glitzern;
habe ich süß geduftet?