Mondblume

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Auf deinen Lippen liegt dein Leben
wie ein offenes Buch
in jedem haarfeinen Fältchen
ein unausgesprochenes Geheimnis

deine Vergangenheit
ein fremder Ort den ich bereise
mit meinem Daumen
meinen Wangen
meinen Zähnen
meinem Mund

Mit jedem Kuss verrätst du mehr

denn auf deinen Lippen liegt dein Leben
wie ein offenes Buch

Vogeltraum

Nackt auf dem Kieselplatz
es rieselt Vogelleiber
das Federkleid noch warm
liegt auf meinem Nabel ein lebloser Spatz
die Füßchen zart wie Nadelkratzer

fällt nun ein ganzer Schwarm
auf mich hernieder wie ein dunkles Kleid
und deckt mich zu

Federn an den Wangen
kitzeln mich wie Wimpern
und tausend schwarze Knopfaugen
spiegeln verschwommen mein Gesicht
als wär’s vergangen

in meinem Rücken Kieselsteine
sie beginnen Blut zu saugen
aus meiner Haut wie Parasiten
und hör’n nicht auf

Die Schnäbel rufen länger nicht
nach Himmeln hinter Wolken
das Atmen unter Vogelherzen
wenn eines nach dem anderen zerbricht
es fühlt sich an wie hilfloses Verlieren

aus meinem Rückgrat wachsen Kieselherzen
zerbrennen langsam meine Haut
ich will sie alle brennen lassen
für all die armen Flügeltiere
mein Körper

ein Grab, das allmählich ergraut.

(15.11.13)

Sturm von Norden

Wollen wir gemeinsam
zergehen im Sturm von Norden

wo gestern noch
Bäuerinnen
ihre Hände verwundeten
damit am nächsten Morgen
Mühsal überwunden
die Kinder erwachsen
werden
konnten

mit Blumenkränzen in den Haaren
Marienkäfer auf den Zeigefingern
ihren Kindern
Zukunft zeigend
an den Zeigern drehen.

Niemandes Abglanz

Du bist schöner als die anderen
weil du als niemandes Abglanz glänzt
sondern unverglichen
fast ein bisschen ausgeblichen
doch so gänzlich ausgeglichen
aus dir selbst erstrahlst.

Du warst ein gemondeter Stern
bevor du Sonne wurdest
und nun den Nächtlichen
angeblich Ähnlichen
erstaunlich gastlich Licht gebietest.

Eingestempelt

Deine Silhouette
eingestempelt
auf meine Netzhaut
mit deinem Gesicht
glänzend
wie Sonnenlicht
auf Wasser
hinter
geschlossenen Augen
dein Negativ
eingestempelt
bist du
bei Tag
und bei Nacht
seh ich dich
immerzu.

Eines Tages

Eines Tages werde ich
in der Geborgenheit eines heimlichen Waldes
Tannenzapfen sammeln
in ein Weidenkörbchen
und lege die Blumen hinzu
die einst gebrochen
nun ellenlange Dornen tragen

dass sie sich verhaken
ineinander
und von mir gehalten
das Weidenkörbchen brechen

ich spür das Stechen schon jetzt
in meinem Unterleib.

(11.06.2013)

Spuren

Du maltest Spuren in den Sand mit feuchtem, schwarzem Holz
die Wellen haben sie noch nicht erkannt
ich sitze hier und warte

Der Feuerball am Himmelsende verblutet langsam für die Nacht
das Meer spült Muschelschalen in die Hände
ich sitze hier und warte

Deine Nähe entzauberte mich
du kehrtet zurück zum Licht
noch halte ich die Fackel vor der Brust
und sitze hier und warte.

Die Gischt schäumt deine Zeichen aus, ein prickelndes Gerausche
das Wasser zieht sie mit hinaus
ich sitze hier und warte

Und warte, dass von deinen Malen nur glatter Strand verbleibt
in meinen Händen Muschelschalen
von dir
und für die Einsamkeit.

Wechselwarme

Ein ständiger Kampf ums Überleben
der Rhythmus von Tag und Nacht
für jene, die von fremden Sonnen leben
in der Mitte des Gletschersees

die wie leblose Laternen
auf die Erleuchtung warten
und selbst am Tag nicht leuchten

am Ufer springen Lampignons
wurzellos und leicht im Wind
sie spiegeln sich in Glasgesichtern
die nur Schönes sehn
an weit entfernten Ufern

und in den Himmeln klarer Nächte
wo Sternschnuppen verheißungsvoll erglimmen
wie glüh’nde Herzschrittmacher
nur selten Leben retten

Sie stehn wie deplatzierte Hochsprungstäbe
in selbst erdachten Gletscherseen
und übersehn im Streben froh zu sein
das Glück und alles Licht um sie

und bleiben bis ans Ende ihres Daseins
ein wechselwarmes Hirngespinst
der eignen Unzulänglichkeit.

Dünnhäutig

Dünnhäutig
wie das Pergament,
auf das du deine Worte schreibst
mit einer spitzen Feder,
kratzig
und bei schummrigen Kerzenschein.

Vermagst mit deiner schwarzen Tinte
Träume auf meine Haut zu träufeln,
zauberhafte Worte,
Verschönerung,
Veränderung,

schreib’ mir dein Herzblut in die Adern,
bitte
vergifte mich

nicht.

(20.07.2009)

Hör mir zu wie ich es lese
das Gedicht
mein Gedicht
an dich

wie ich mit meinen Lippen
Wirklichkeit erschaffe
was ich aus mir hinaustöte
für dich lebendig mache

Hör mir zu wie ich es lese
das Gedicht
mein Gedicht
an dich

dies ist das erste Mal
und wird das letzte
dass ich dir vorlese mit dieser Stimme
wovon in Stille ich mich trennte
nur Leere bleibt zurück

Hörst du noch zu?
wenn meine Wangen glühen
von Schuld und Scham
und heillosem Gebären?

wenn mir der Blick wie festgefroren
nur über die Verstoß’nen streift
hörst du mir zu, sag,
hörst du noch?

Ehre mich

Benetze mich
wie der Morgentau Maiglöckchenblüten
sanft mit deinen Meeresküssen,
mit der Zartheit von Tränen
und ihrer überwältigenden Wirkung.

Wie ein Aufrichtigbetender seine Worte
gegen heiligkühle Perlen haucht,
seufze Du deine Liebe auf meinen
lebendigen, fleischlichen Altar.

Erhebe mich zu deinem Anfang und deinem Ende,
tauche nach tiefster Erfüllung
in den Seen meines bodenlosen Inneren
und entsende deinen rastlosen Geist
in die Abenddämmerung meiner Augen.

Greife nach dem unerreichbaren Falken
und befreie die wunde Nachtigall,
suchst du den Schmetterlingsflügelstaub
auf deine säuselnden Lippen zu streuen,
so taste mit achtvollen Fingerspitzen danach.

19.01.2010

Marionetten

Wir sind doch! alle nur Marionetten
In einem Amüsement des Schicksals
Und werden niemals dessen Fäden schneiden,
Da uns’re Hände doch nicht uns’re eignen sind.
Alte Muster bleiben tief ins uns verborgen
Um der Figur getreu zu sein, die man für uns erschuf;
Egal, wie oft wir glauben auszubrechen,
Der Kern bleibt gleich, denn unser Spieler ist unsterblich.

Mein Geist sehnt sich nach Freiheits Schwingen,
Doch Schicksal hält mich fest in seinem Drama.
Ist denn dort niemand, der durchschneiden kann?

Die Rolle einer hoffnungslosen Seele ist die meine,
Ich werde niemals zu den Glücklichen gehören.
Ganz gleich, wie oft ich mich erlöset fühle,
Mein Innerstes bleibt der Verlier’nden treu.

Und mag ich noch so inbrünstig mich wehren,
Zuletzt tanz’ ich gefügig Schicksals Spiel

Und tanze bis in mein Verderben.


21.07.2008

Immer mehr geben um immer weniger zu leben

Entblößen
bis aufs Fleisch
weil das Essenzielle
immer leerer wird
kaum mehr zu sichten

immer mehr bieten
doch immer weniger bekommen

wende den Blick ab
von den hungrigen Hunden
um zu verbergen
was dich grämt
beschämt

immer mehr verlieren
doch immer weniger gewinnen

Ohren verschließen
um die Lügen zu überhören
im Kreuzverhör Erwartungen
verraten und vergessen

immer mehr zahlen
doch immer weniger verdienen

Emotionen verstecken
um letztlich
Stolz und Persönlichkeit
auf Drängen zu erbrechen

in ihren Umarmungen
zerbrechen
an fremder Verarmung
doch vor allem an der eigenen
zugrunde gehen

immer mehr bieten
doch immer weniger bekommen
immer mehr verlieren
und immer weniger gewinnen
immer mehr zahlen
aber immer weniger verdienen

immer mehr geben
um immer weniger zu leben.