Nachtmahr
Schwereloser Taumeltanz
die Nacht ist schwül
doch furchtbar kalt.
Atemlose Feuerzungen
schreien ruhelos nach mehr;
Schneesturm fleht nach Todesreigen
“Bitte, bitte!” - und verklungen.
Mottenflügelstaub -
verklebte Augen;
Erdbeersirup von
geschwoll’nen Lippen.
Schwarze Traumfangarme
greifen unbemerkt ins Leere
Wüstenstaub -
versperrte Lungen.
Kristall’ne Tränen
fallen in verschmutzte Meere,
die Glut erlischt,
ich explodiere.
(30.11.2008)
Im Schatten des Mondes
Im Schatten des Mondes entschwinden
bald all die tiefen Sorgen
was du am Tage musst empfinden
bleibt nun im Nachtgewand verborgen.
Schon wiegt sich Nebel auf die Lider
und schwere Farben weichen
sanft schweben Silberschleier nieder
um deine glüh’nde Stirn zu streichen
Und legen kühl sich auf dein ganzes Sein
entzieh’n ihm bitt’re Wärme
um dass du ruhen magst, von Regung rein
wie alle and’ren Sterne.
Moment des Glücks
Manchmal stürzt auf mich herab
ein Moment des Glücks
zerbrechlich wie ein Tropfen
ist er plötzlich da
fällt auf mein Haar und gießt von dort sich
Stück um Stück in mein gesamtes Sein
fühl’ ich das Schöne, was ich sah
endlich in meinen Adern
und atme zitternd ein
wenn mich das Glück im Innersten erreicht
und ich für einen Augenblick
alles vergessen weiß
wenn tiefe Rührung
Überwältigung
mein Herz erweicht
dann möcht’ ich manchmal weinen.
Laufe
um am Ende des Horizonts
ein weißes Pferd zu werden
frei wie der Wind.
Schmetterlingsflügelreich
sanft balancierende augenlider,
so schmetterlingsflügelgleich
mit ihren leicht geschwungenen wimpern
so schmetterlingsflügelgleich,
und selbst doch um so viel farbloser als
des schmetterlings flügelreich,
umflattern sie die bunten pforten
des menschlichen tränenreichs.
(19.03.2009)
Sonnengold
Ich begehre das Gold der Sonne
In meinem Inneren zu tragen,
Dass es von dort heraus
Mein Sein in Glänzen taucht
Und deine Welt mit Licht erfüllt.
Schließ’ deine müden Augenlider
Und tauch’ ins Sonnenlicht sie ein!
Erkennst du, was mich sehnend macht?
Ich begehre das Gold der Sonne
In meinem Inneren zu tragen,
Damit in dunkler Winternacht
Mein Sein in Silber dir erscheint,
Gleich dem Mond Dank Sonnes Strahlen.
Mein Licht soll alle Unwürdigen blenden
Und alle Würdigen mit Wärme füll’n,
Ich möchte deine ungerechte Welt
Mit feinem Sonnengold bestäuben.
(04.05.2008)
Augenblick
Ein Augenblick
Der ungeachtet schon vergeht
Man spürt ihn kaum
Kann ihn nicht halten
Fortgeweht
Entfernt
Vergessen.
Und klammern wir auch fest die Zeit
Wir können ihn nicht halten
Den Augenblick
Ein Zwinkern nur
Und schon ist er vergangen.
(29.04.2008)
träumte wieder
eine welt fernab der unsren
auch dort schlug mein herz in einer brust
auch dort schlug schmerz sich in ihr nieder
doch sie, die nicht ich war, liebte
und hatte nicht gewusst
dass sie träumte, wieder
so wie ich.
Manchmal so schlaflos
Manchmal so schlaflos, so leer
starre ich auf mein Papier,
suche nach Antworten,
such’ heimlich und offenbar
auch nach mir.
So häufig getrieben von Sehnsucht nach mehr
starre ich auf mein Papier,
weck’ heimlich und offenbar
die Begier
nach Worten,
nach Antworten in mir.
Meistens so ungnädig, so leer
wartet auf mich das Papier,
bleibt heimlich und offenbar
schweigend, doch bedeutungsschwer
vor mir so leer
so leer
so leer.
Wenn die Liebe, die dich nährte,
nicht aufrichtig und rein war,
kann dann das Lieben, das du lerntest,
aufrichtig und rein sein?
Und ist denn Liebe wirklich unrein,
wenn Egoismus in ihr liegt,
wenn sie statt Freiheit zu verschaffen,
Freiheit besiegt?
Schnitte ins eigene Fleisch
Was ihr euren Kindern vorwerft,
ist weiter nichts als Selbstanklage;
die Wunden, die ihr ihnen zufügt,
sind Schnitte ins eigene Fleisch,
doch ebenso in die Seelen eurer Kinder,
ihre Verstümmelungen letztlich: Erban(k)lage.
Liebe erstickt an Selbstmitleid und Verbitterung,
wird zum Gefängnis eurer Kinder,
die ihr mästet mit erdrückender Fürsorge
und vergiftenden Worten,
an euch bindet, indem ihr fortstoßt,
fortstoßt, indem ihr behindert.
Die Makel, die ihr an euren Kindern seht,
sind Makel eures jugendlichen Spiegelbildes;
nicht wie sie wirklich sind, wollt ihr sie sehen,
wie ihr sie sehen wollt, seht ihr
und straft sie für Versäumnisse, die sie noch nicht erlebten,
und lobt mit unbarmherziger Milde
was sie - von euch vorangetrieben - letztlich akzeptieren,
obgleich’s in ihre Herzen unheilbare Krankheit pflanzt.
Hinter der unüberwindbaren Maske von Liebe,
die alles begründet und alles entschuldigt,
versteckt ihr, was euch selbst zerstörte,
zerstört ihr, was ihr einstmals mutig schützen wolltet.
Als ihr verlerntet euch zu lieben,
verlor an Reinheit jene Liebe, die ihr nun vorwerft euren Kindern.
Einmal ein Stern sein
Im gemächlichen Erwachen des Morgens
einmal ein Stern sein,
der still und in ewiger Geduld
dem Lied der auflebenden Natur lauscht.
Glänzend, als einer von vielen unsichtbar und wartend
die unerschütterliche Hoffnung eines Neubeginns beobachten
und atmen den zärtlichen Hauch der immer Wiedergeborenen,
um schließlich von der Wärme des Tageslichts verabschiedet
in die Vergessenheit der Nacht zurückzukehren, getröstet.
Wenn ich deiner gedenke,
will ich mit der geduldigen Ruhe jenes Sternes
das Leben betrachten, Frieden finden.
Alles vergessen
Augen schließen
um die Vorboten des Frühlings
zu inhalieren
ungefiltert rein und klar.
Breite die Arme aus
und falle ins Abendrot
alles vergessen
neu erwachen.
Zeitwunden
Die Zeit heilt alle Wunden
aber was ist dann
mit all den Gesunden?
Drehen mit den Zeigern
sinnlose Runden
24 Stunden
ans Ticken gebunden
und irgendwann
ist die Freiheit verschwunden
sind die Herzen geschunden
ist die Freiheit verschwunden
ans Ticken gebunden
und alle 24 Stunden
sinnlose Runden
bis die Zeit allen Gesunden
Wunden malt.
Uns suchen
Wir sind hier nicht sicher
du und ich
wo fremde Münder uns küssen, kosten
Überwindung kosten
und wir währenddessen
mit geöffneten Augen
in die Nacht schauen
und suchen
und suchen
uns suchen.